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Sendung ausgestrahlt am: 9. Oktober 2005, 20:30

Film genießen für alle.

Filme können barrierefrei gestaltet werden, so dass auch gehörlose und blinde Menschen sie gleichberechtigt konsumieren können. Die österreichische Firma BONUS FILM wird 25 Filme entsprechend ausstatten.
Als Gäste geladen sind Angelika Trunner und Robert Winkler von BONUS FILM und betroffene behinderte Menschen.

Gäste:
Agnes BIESIEKIERSKA
Robert WINKLER
Jo SPELBRINK
Wolfgang KREMSER

Moderation: Katharina Zabransky
Sendungsverantwortung: Katharina Zabransky
Transkription: Katharina Zabransky, Gerhard Wagner


Moderation, Katharina Zabransky: Hallo und Guten Abend bei Freak Radio sagt Ihnen Katharina Zabransky. Die Sendung heißt heute »Film genießen für Alle«. - Was soll das heißen, für Alle? Nämlich für gehörlose Menschen, die ins Kino gehen, und für blinde Menschen die ins Kino gehen, ins Kino gehen können. Ich habe mehrere Gäste hier sitzen und bin sehr froh darüber. Ich beginne bei Frau Biesiekirska. Hallo.

Agnes Biesiekierska: Hallo.

Freak-Moderatorin:... Von der Firma Bonus Film. Und Herrn Robert Winkler, Grüßgott.
Und Herrn Jo Spelbrink . Hallo. Und es wird hier auch gebärdet.

Jo Spelbrink:Hallo.

Freak-Moderatorin:
Das heißt, jeder Gehörlose der hier sitzt, sieht die Gebärden. Und dann sage ich noch Hallo und Grüßgott zu Herrn Wolfgang Kremser.

Wolfgang Kremser: Hallo.

Freak-Moderatorin: Können Sie kurz sagen, wer Sie sind.

Wolfgang Kremser: Ja. Mein Name ist Wolfgang Kremser, ich bin der Leiter vom Verkehrsgremium der Blinden- und Sehbehindertenorganisationen der Ostregion.

Freak-Moderatorin: Ja, danke. Und ich möchte noch gleich Herrn Jo Spelbrink fragen ,- wer sind Sie und was machen Sie beruflich?

Jo Spelbrink : Ich bin jahrelang im Bereich der Gehörlosen tätig gewesen, und bin jetzt selbständiger Mediengestalter und Producer und bin mit Video und Film vertraut.

Freak-Moderatorin: Okay, danke. Und jetzt würde ich gleich gerne den Herrn Winkler oder Frau Biesiekierska. bitten, das Projekt vorzustellen.

Robert Winkler: Das Projekt hat eigentlich die Wurzeln schon vor 15 Jahren, wo ich nach Wien gekommen bin, weil ich auf die Filmakademie aufgenommen wurde und dann im Radio einen Bericht gehört habe über einen blinden Menschen, der ins Kino geht. - Und der einfach erzählt. Ich hab mir gedacht, es ist sensationell, dass blinde Menschen ins Kino gehen. Das war für mich etwas Neues, und ich habe mir gleich was ausgedacht, dass man ...- Dass nicht jeder seinen Freund mitnehmen muss und dass man es technisch dort so aufbereiten könnte, dass jeder Mensch, der nicht sieht, den Film anschauen kann. Das ist damals dann gescheitert an ganz trivialen Sachen, dass z. B. die CD´s nur eine Laufzeit von 60 Minuten gehabt haben, und dass man noch keine CD´s brennen konnte und dass die Synchronisation von einem Film mit einem 35 Millimeter Projektor irrsinnig schwierig war. Das Ganze ist dann mehr oder weniger, - hat deshalb nicht funktioniert weil es einfach zu kompliziert war, vor 15 Jahren. Und jetzt vor 1 ½ Jahren, wo ich mit dem Vincent Lucassen von der DOCU ZONE AUSTRIA* näheren Kontakt gehabt habe, auch wegen unseren Filmen, die wir mittlerweile produzieren, habe ich dann gesehen, dass eigentlich durch das digitale Kino, diese Technik die ich mir vor 15 Jahren eigentlich schon überlegt habe, ganz leicht zu realisieren wäre und auch nicht viel kosten wird. Und dann habe ich begonnen eben aktiv zu werden in diese Richtung, habe dann auch begonnen mit dem Fraunhofer Institut * zu sprechen, die... - weil ich wollte auch die Gehörlosen in dieses Projekt einbinden, nicht nur die Blinden. Sondern dass wirklich alle Menschen, die eine Sinnesbehinderung haben einen Film anschauen können. Da habe ich mit dem Fraunhofer Institut gesprochen, die auch eine Brille entwickelt haben wo es jetzt einen Prototyp gibt. - Wo gehörlose Menschen, im Kino, wenn sie die Brille aufsetzen, die Untertitel in der Brille durch eine holographische 3D Projektion lesen können.

Freak-Moderatorin: D. h., der Gehörlose, sieht Untertitel und kann sie lesen.

Robert Winkler: Genau.

Freak-Moderatorin: Aber die anderen Leute, die diese Brille nicht haben, sehen das nicht.

Robert Winkler: Genau, das ist der Sinn des Projektes, dass in einem Kinosaal alle Menschen drin sitzen können. Der Blinde hat seine Kopfhörer auf und hört die Audiodeskription, der Gehörlose hat seine Brille auf, sieht die Untertitel und die anderen Menschen kriegen davon nix mit. So dass man wegkommt von dieser Ghettoisierung dass es immer spezielle Vorführungen für diese Zielgruppe geben muss.

Freak-Moderatorin: Und ich möchte jetzt kurz fragen: was ist Audiodeskription?

Robert Winkler: Audiodeskription ist eine Methode, wo der Film durch einen Sprecher oder eine Sprecherin beschrieben wird, ...was man im Bild sieht. Aber was der Blinde nicht sehen kann und auch durch die Geräusche nicht mitbekommt.

Freak-Moderatorin: D. h., durch diese zusätzlichen Beschreibungen kann ein blinder Mensch, der das nicht sieht, die Handlung verfolgen. Kann man das so sagen?

Robert Winkler: Das ist das Ziel davon, und das ist halt möglichst gut umzusetzen.

Freak-Moderatorin: Danke , und jetzt bitte ich gleich um die erste Zuspielung. Bonus Film hat nämlich ein Beispiel mitgebracht mit Audiodeskription.

Audiodeskription: (man hört: Musik , Gespräche) Ein rauschendes Weihnachtsfest in einem noblen Vier-Sterne Hotel. Leute tanzen. (Musik wechselt zu ?Stille Nacht?). Eine klare Winternacht. Von einer Bergkuppe schauen wir ins Tal. Wir sehen die Lichter eines Dorfes. Titel: Unterwegs nach Heimat. Ein Film von Barbara Kräftner. Zwei Schneeraupen in der Nacht ebnen die Piste. Sie kommen über die Bergkuppe auf uns zu. Langsam fahren sie aus dem Bild und hinterlassen nur Dunkelheit.
Morgendämmerung. Wir erkennen die Umrisse eines Bergbauernhofes. Hinter einem Fenster geht das Licht an. Im Bad wäscht sich Siegmund Kleinlärcher das Gesicht. Der 38 Jahre alte Mann betrachtet sich im Spiegel. Er hat kurze brünette Haare, er trocknet sein unrasiertes Gesicht mit einem Handtuch. (man hört: Muhen der Kühe). In der Morgendämmerung geht er zum Stall. Er verteilt Futterheu an die Kühe. Der Altbauer bringt zwei Kübel Schweinefutter in den Stall. Der Mist wird mit einer Schaufel aufgelockert. An den Zitzen der Kühe wird die Melkmaschine angebracht. Der Mist wird mit der Scheibtruhe aus dem Stall ins Freie geführt.

Freak-Moderatorin: Okay, also wir haben jetzt den Ausschnitt aus dem Film ?Unterwegs nach ... Heimat? gehört, und ich bitte gleich, Herrn Kremser, etwas dazu zu sagen. Sind Sie zufrieden?

Wolfgang Kremser: Es ist also mit dieser Beschreibung möglich, der Handlung zu folgen. Durch die Geräusche und durch die Beschreibung kann man sich ein sehr gutes Bild machen. Und auch diesem Filmen eindeutig folgen, was bisher natürlich nicht möglich war.

Freak-Moderatorin: Und wie ist es bei Ihnen praktisch? Gehen sie öfters ins Kino, sind Sie öfters ins Kino gegangen?

Wolfgang Kremser: Ich gehe an sich nicht sehr oft ins Kino, aber durch die Filme, die es jetzt gibt im Fernsehen mit Audiodeskription verfolge ich das Geschehen recht stark, weil ein Kollege von mir nimmt mir die Sachen auf und ich schaue es mir dann daheim an. Das ist für mich wichtig. Ich hab früher doch noch relativ gut gesehen und konnte einigen Filmen folgen, heute wäre das nicht mehr der Fall. Und durch die Beschreibungen, die es jetzt gibt, bei den Filmen kann ich mich an die Bilder natürlich noch deutlicher erinnern. Aber selbst wenn keine optischen Erinnerungen da wären, kann man dem ganzen Geschehen sehr gut folgen und ich begrüße das Projekt von Bonus Film, dass wir in Österreich auch jetzt diese Audiodeskription bei uns machen.

Freak-Moderatorin: Also , durch die bildbeschreibenden Texte können Sie die Handlung erleben, hören, und Sie können ganz normal folgen?

Wolfgang Kremser: Ja.

Freak-Moderatorin: ...Die deutsche Version ist bildbeschreibende Texte. Ich bleib jetzt mal dabei, weil Audiodeskription klingt ein bisschen komplizierter. Und jetzt möchte ich den Herrn Spelbrink fragen: Wie ist es aus Sicht von gehörlosen Menschen, was brauchen die, was wollen die im Kino?

Jo Spelbrink: Die gehörlosen Menschen sind Menschen mit einer sehr visuellen Wahrnehmung. Und dadurch ist die Bildinformation eine wesentlich größere. Wichtig ist, dass bei der Untertitelung z.B. auch viele Nebeninformationen die Handlung unterstützen... und auch (dass diese) irgendwie angedeutet werden, damit das verstanden werden kann. Z.B. wenn?s einen Dialog gibt und dann kommt eine Stimme aus dem off, dann wird das im Untertitel meistens so angezeigt, als wenn das die selbe Person wäre. Es gibt gehörlose Menschen, die das nicht sofort verstehen, dadurch brauchen sie zusätzliche Information, um den Inhalt zu verstehen.

Freak-Moderatorin: Das heißt ,das ist anders als wenn ich z.B. einen französischen Film anschaue mit deutschen Untertiteln, wo ja wirklich..., die Schrift immer gleich ausschaut. Untertitel, speziell für gehörlose Leute, sollen mehr sein?

Jo Spelbrink: Es gibt, v.a. wenn man Filme auf DVD anschaut, - da kann man schon die digitale Entwicklung vorweg sehen. Man kann sich vorstellen, dass das in Zukunft im Fernsehen oder im Kino auch gang und gäbe sein wird. Aber bis jetzt ist es so, dass eben normal untertitelt wird, das was die handelnde Person eben sagt. Viele Nebengeräusche werden an sich nicht angezeigt. Da gibt es eigene Versionen für Gehörlose. Aber bis jetzt ist der Entwicklungsstand nicht so, dass man - meiner Meinung nach - sagen kann, dass wirklich 1:1 übertragen wird. Es wird oft bei Untertitelungen auch teilweise ein bisschen vereinfacht, wo der Sinn der Übertragung, also die Übertragung des Sinns dann nicht mehr ganz gewährleistet ist. Aber das ist auch ein Thema, wie man sich mit dem Thema auseinandersetzt und wie man auch betroffene Personen, Menschen, mit einbezieht. Wenn man mit gehörlosen Menschen zusammenarbeitet, da kann man neue Entwicklungen sogar vorantreiben, an die man vorher gar nicht gedacht hat.

Freak-Moderatorin: Ich glaub, das ist ein gutes Stichwort. Ich möchte jetzt den Herrn Winkler fragen: Wie war das bei Ihrem Projekt bis jetzt? Haben Sie mit gehörlosen oder behinderten Menschen zusammengearbeitet auch?

Robert Winkler: Ja, das ist weil ich ja mit der Materie dieser Übersetzungen an sich keine Erfahrung habe, da war das ja natürlich notwendig. - Also es war nicht möglich, das ohne dieses Zielpublikum durchzuführen, weil es ja auch - im Gegensatz zu Deutschland - in Österreich ja kein Wissen darüber gibt. Und auch noch niemand es gelernt hat. Und das ist natürlich auch ein Plan für die Zukunft und der wird auch in der Realität umgesetzt. Es wird Workshops geben für Audiodeskription und für Untertitelsetzer. Ende November gibt?s in Wien dann einen Workshop dazu.

Freak-Moderatorin: Und bei dem Film ?Unterwegs nach Heimat?. Wie schauen da die Untertitel aus?

Robert Winkler: Also, wo das beschrieben wird was man nicht hören kann

Freak-Moderatorin: Nein , ich meine: Sind die Untertitel 1:1 das was gesprochen wird oder viel mehr?

Robert Winkler: Nein, das ist natürlich viel mehr. Also, es ist ja auch jetzt... ich hab also absichtlich für die morgige Veranstaltung einen Filmausschnitt ausgesucht von einem Film von uns, wo z.B. gar nichts gesprochen wird und wo man die Handlung eigentlich nur durch die Geräusche und durch die Töne mitkriegt, die man, wenn man jetzt nichts hört, überhaupt nicht nachvollziehen kann. - Und dann durch die Untertitel plötzlich weiß warum der rennt, warum der erschreckt schaut. Und man kriegt das einfach mit durch die Untertitelung. Deshalb ist der Ausschnitt, den wir morgen zeigen werden bei unserer Veranstaltung, komplett ohne Text, ohne den herkömmlichen Dialogtext, sondern nur mit Geräuschen. Wo die Dramaturgie und die Spannung nur durch dieses erzeugt wird und es natürlich ein große Herausforderung ist, das zu transportieren.

Freak-Moderatorin: Aber der herkömmliche Dialogtext ist schon dabei...

Robert Winkler: Der wird natürlich auch untertitelt. Aber in diesem Ausschnitt morgen... den hab ich extra gewählt, weil normale Untertitel kennt man ja, aber nicht Geräuschuntertitel. Und diese Drei- Minuten- Sequenz besteht nur aus Geräuschen. Und dadurch wird der Film spannend und das haben wir untertitelt.

Freak-Moderatorin: Ich möchte jetzt nur dazusagen, so organisatorisch: Es hat am Donnerstag eine Veranstaltung stattgefunden von Bonus Film, eine Präsentation. Und ich bitte jetzt um die nächste Musikzuspielung.

Musik

Freak-Moderatorin: Ja, das war jetzt Musik aus dem Film ?Sometimes Happy, Sometimes Sad? und wir sprechen noch weiter über: wie ist es wenn ich einen Film für gehörlose Menschen ausstatte? Wie müssen die Untertitel ausschauen? Ich möchte Sie noch fragen, Herr Winkler - mit wem haben Sie zusammengearbeitet, mit welchen gehörlosen Menschen oder mit wie vielen?

Robert Winkler: Eigentlich mit einem, mit dem Obmann des Gehörlosenbundes, der mir einfach auch bei der Untertitelung geholfen hat. Und der hat, ich weiß nicht ob er das selbst... Aber es gibt Untertitelrichtlinien für gehörlose Menschen, wo genau geschrieben wird wie man Geräusche kennzeichnet, eben durch Kursivstellung, wie man die Rede kennzeichnet, eben durch nicht Kursivstellung, wie man Sonderzeichen einsetzt, um etwas bestimmtes zu transportieren und so. Also, es gibt da Richtlinien, an die man sich halten muss, damit der gehörlose Mensch, der das anschaut, das auch einzuordnen weiß. Es gibt auch z.B. die Möglichkeit die Untertitel anders zu platzieren. - Wenn jetzt rechts jemand spricht, dann sind die Untertitel rechts gelagert, wenn links jemand spricht, dann sind die Untertitel links gelagert. Und so weiter. Also, da gibt?s wie schon gesagt... - Durch die Zusammenarbeit entstehen da auch Fortschritte und neue Ideen, die eben das ganze vorantreiben.

Freak-Moderatorin: Und ich möchte mal eine naive Frage stellen: Ist das ganze technisch aufwendig?

Robert Winkler: Na ja, im Verhältnis zu einer normalen Filmproduktion nicht. Weil ... man braucht auf jeden Fall sowieso immer Untertitel, man braucht sowieso immer ein Tonstudio. Das einzige, was man halt machen muss ist, sich einmal einen Tag Zeit zu nehmen, sich zusammenzusetzen, die Geräusche durchzugehen, das was man nicht durch das Gesprochene mitkriegt, und die Untertitel zu setzen. Also es ist natürlich ein Mehraufwand, der sich auch finanziell zu Buche schlägt, der sich aber... Da gibt?s auch von uns entwickelte Finanzierungsmodelle, je nach Film, die man da natürlich dann einsetzen muss. Und dann ist es eigentlich überhaupt kein Thema, weil die Herstellung von dieser ganzen Bearbeitung ist gemessen an einer Gesamtproduktionssumme relativ minimal.

Freak-Moderatorin: Ich möchte jetzt einmal die beiden gehörlosen Gäste, die auch im Radiocafe sitzen, fragen: Haben Sie schon mal einen Film mit solchen Untertiteln gesehen?

GAST: Ja, ja durchaus, das habe ich schon einmal gesehen, das war im Kino. - Warten Sie einmal, das war vor drei Monaten oder vor einem halben Jahr und da gab es Untertitel. Allerdings konnte ich diesen Untertiteln nicht besonders gut folgen, weil diese Zusatzerklärungen nicht vorhanden waren.

Freak-Moderatorin: Also , das waren normale Untertitel, herkömmliche?

GAST: Ja, das waren ganz normale.

Freak-Moderatorin: Ich möchte jetzt die gehörlosen Gäste hier fragen: Hat schon jemand einmal einen Film mit solchen Untertiteln gesehen?

GAST: Nein, leider nicht.

Freak-Moderatorin: Auch nicht im Ausland?

GAST: ... Aber ich kann mir vorstellen, dass das gut möglich ist. Wenn diese Untertitel bezogen auf die Handlung sind und diese Körpersprache, die im Film vorhanden ist... kann ich mir gut vorstellen, dass das als Ersatz durchaus Sinn macht. Für mich, ohne den Untertiteln, ist es - ungefähr so ähnlich vorstellbar wie für diese blinde Person hier - schwer nachvollziehbar.

Freak-Moderatorin: Okay, danke. Ich möchte jetzt wieder zurückkommen zu blinden Menschen im Kino. Wenn Sie einen Film ohne bildbeschreibende Texte sehen, müssen Sie dann eine Person mitnehmen, die ihnen die bildbeschreibenden Texte einflüstert sozusagen?

Wolfgang Kremser: Ja, das ist sicher notwendig, je nach Film ist es oft schwieriger bis gar nicht möglich. Weil zum Beispiel beim James Bond Film, wo viel Action ist, ist es natürlich der bildbeschreibenden Person in der Geschwindigkeit fast gar nicht möglich, das ganze dann wirklich zu erzählen, was da passiert. Bei Filmen, die also jetzt eher beschreibend sind, ist es möglich , bei Dokumentarfilmen, die teilweise Naturaufnahmen zeigen, wo dann Tiere gezeigt werden ist es auch oft so, dass also lange Sequenzen ohne Erklärung sind. Da braucht man auf jeden Fall Hinweise, was da am Bild passiert, sonst ist also dieser Film für einen sehbehinderten oder blinden Menschen nicht sehr inhaltsvoll. - Da kann man dann der ganzen Handlung gar nicht folgen
Also es ist wichtig, dass wenn Filme keine Bildbeschreibung haben, dass man versucht, jemanden , der das einigermaßen gut kann, mitzunehmen um dem Filmgeschehen überhaupt folgen zu können.

Freak-Moderatorin: Das heißt, sie persönlich haben schon geübte Freunde oder Bekannte, die sie dann mitnehmen.

Wolfgang Kremser: ....die ich mitnehme oder vielleicht auch beim Fernsehen... da ist es einfacher, da stört man niemanden... da kann man das also ganz gut machen.

Freak-Moderatorin: Ich bitte jetzt noch einmal um eine kurze Musikzuspielung. Musik

Freak-Moderatorin: Ja, wir sind wieder zurück bei Freakradio zum Thema ? Film genießen für alle?. Ich möchte auch noch die zwei nächsten Sendungen ankündigen, am Dienstag den 11.10 hören sie eine einstündige Sendung mit dem Thema ?Faustball mit Behinderung?. Gehard Wagner und Martin Joppich sprechen wenige Tage vor der österreichischen Meisterschaft mit Vertretern einer Faustballmannschaft. Und am Sonntag den 16.10 hören sie eine Sendung über die Viennale 2005 die heuer vom 14.-26. Oktober stattfindet. Julia Wolkerstofer spricht mit Hans Hurch dem Leiter des Filmfestivals und anderen Kinointeressierten.
Und ich möchte jetzt gegen Ende der Sendung noch in die Runde fragen, vielleicht fangen wir beim Herrn Kremser an, was würden sie sich wünschen damit Filme besser genießbar sind? Wenn sie ins Kino gehen oder wenn Sie vor dem Fernseher sitzen, was wünschen Sie sich da?

Wolfgang Kremser: Ja, vor allem wünsche ich mir, dass mehr österreichische Filme mit Bildbeschreibung ausgestattet werden, dass auch unser Filmschaffen zugänglich gemacht wird. Dass die Techniken verbessert werden und dass auch die Fernsehstationen mehr solcher Filme den Sehenden bzw. blinden und sehbehinderten Kunden zur Verfügung stellen.
Danke, Herr Spelbrink, was wären ihre Wünsche, Forderungen für gehörlose Filmseher?

Jo Spelbrink: Bis jetzt ist es so dass viele Filme, deutschsprachige Filme und österreichische Filme kaum untertitelt werden auch wenn sie als DVD herausgebracht werden. Und dadurch sind die Filme die von gehörlosen gesehen werden hauptsächlich aus dem Ausland. Und was die Zukunft betrifft, es ist auch eine interessante Frage, wie man das technisch vorantreibt, das ist die eine Seite. Die andere Seite ist wie, man das auch inhaltlich voran bringt weil Inhalte zugänglich zu machen ist auch eine Frage der Wahrnehmung. Das heißt, wenn ich etwas gestalte und ich etwas produziere oder einen Film mache, dann muss ich auch da mit bedenken dass es auch um verschiedene Wahrnehmungen geht. Und ich bin der Meinung, -der sich schon seit vier, fünf Jahren mit diesem Thema auseinander setzt, dass hier noch enorm viel Spielraum vorhanden ist und Gestaltungsspielraum da ist um Inhalte und Themen zu transportieren.

Freak-Moderatorin: Und wenn Sie persönlich ins Kino gehen, was möchten Sie von einem Film, sodass er ideal ist? Wie müssen die Untertitel ausschauen oder würden sie sogar Gebärde wollen?

Jo Spelbrink: Ich weiß nur aus Erfahrungen aus dem Ausland ,dass es zum Beispiel Filmfestivals für gehörlose gibt, wo eine zweite Screen aufgestellt wird, mit Gebärdensprachdolmetschern die das übersetzen was im Film gesprochen wird. Wie die Erfahrungen sind, das ist unterschiedlich. Im Bereich Fernsehen weiß ich, dass es in England ein paar Sendungen gibt die mit Dolmetschereinblendungen passieren. Auch hier in Österreich, die ZIB1 zum Beispiel im Fernsehen,...durch Digitalfernsehen kann man den Dolmetscher einblenden. Es ist die Frage wie das bei den Leuten und beim Publikum ankommt. Es gibt da unterschiedliche Meinungen, es gibt Leute, die sagen sie wollen lieber den Dolmetscher weil sie nicht so eine ausgeprägte Schriftsprachkompetenz haben, es gibt auch Leute die eine gute Schriftsprachkompetenz haben, und die sagen, sie wollen lieber Untertitel statt Dolmetschen. Also es ist auch eine Frage der Zielgruppe. Aber im Grunde genommen geht?s darum, was will man eigentlich erreichen, wen will man erreichen und es ist auch eine Frage der Zielgruppe. Bisher war es immer so, dass man gesagt hat, okay Gehörlose... es gibt nicht viele Gehörlose wenn man das im Kontext zur Gesamtbevölkerung sieht. Aber wenn man das anders betrachtet, wenn man sagt okay, man kann damit auch Sensibilisierungsarbeit betreiben, dann ist das eine sehr gute Sache, weil man weiß noch gar nicht welches Potential in der Welt der Gehörlosen noch besteht. Die Menschen mit Gebärdensprache sind so zu sagen Augenmenschen, die nehmen alles visuell wahr, die haben teilweise ein feines Sensorium wie man Filme wahrnimmt. Zum Beispiel auch im Filmschnitt. - Ich habe einen Trailer von einem Gehörlosen gesehen....

Freak-Moderatorin: Verzeihung ich muss sie bitten aufzuhören.

Jo Spelbrink : Ich muss nur - noch grundsätzlich. Ich möchte noch dazu sagen dass das nicht nur auf Untertitelungen beschränkt ist sondern es geht um Wahrnehmungen, dass das berücksichtigt wird.

Freak-Moderatorin: Danke. Und an Herrn Winkler von einer Filmfirma: Was würden sie sich wünschen, um ihre Arbeit besser machen zu können oder fort zusetzen?

Robert Winkler: Ja, wir verstehen uns eigentlich nicht als die, die die Arbeit dann machen, die Untertitelung etc., wir verstehen uns eigentlich als die, die die Kugel ins Rollen bringen, die dann selbstständig Sachen auslösen muss. Das heißt ich strebe an, und es sind die Gespräche auch schon fortgeschritten, dass zum Beispiel jeder österreichische Film der in Zukunft produziert wird, standardmäßig diese Bearbeitung haben muss. Für die Gehörlosen und Blinden, dass der ORF zum Beispiel bei ausländischen Filmen die nach Österreich kommen schon im Kino, wenn der Film im Kino ist , diese Bearbeitung finanziert, weil er ja dann, wenn er ins Fernsehen kommt diese Filmreihe auch im Fernsehen zeigen wird. Genauso für DVD-Vertriebe die den Film dann auch mit der Bearbeitung benutzen können, mit der Finanzierung früher einsteigen.
Und abschließend möchte ich noch sagen, dass dies ja , wenn man sich dieser Wahrnehmung die notwendig ist für ein Publikum das teilweise einen Sinn nicht benutzen kann, auch den normal sinnesempfindenden Menschen, also, die sehen und hören, nützt. -Weil, wenn ein Schauspieler gut spielt und der Gehörlose einfach sieht was der empfindet, dann ist es auch für jemanden gut, der ... natürlich versteht was der sagt. Der Film an sich gewinnt an Qualität wenn man sich bewusst ist, dass diesen Film auch blinde und gehörlose Menschen verstehen müssen. Es verbessert sich die Filmsprache im Bild und im Ton. - Also dieser Mercedes, der durchs Bild fährt muss ein Mercedes Diesel sein und nicht irgendein anderes Dieselauto.

Freak-Moderatorin: Ich sage danke für diese Erklärungen, ich glaube wir haben einen Einblick gegeben in Filme, wie sie genossen werden können von jedem. Genießen kann man sie nur - das sage ich jetzt noch dazu, wenn sie auch in einem rollstuhlgerechtem Kino gezeigt werden .......und ich sage auf Wiederhören bei Freak-Radio.

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--------------------------------------------------------------------------- * Docu Zone Austria
Das Projekt Docu Zone Austria (DZA) setzt sich zum Ziel, mithilfe digitaler Technologie die Auswertung von Dokumentarfilmen und Spezialprogrammen in österreichischen Kinos zu verbessern und diese Filme einem größeren Publikum zugänglich zu machen.
Geschäftsführer/Projektmanagement: Vincent Lucassen

* Fraunhofer IIS
Fraunhofer Institut Integrierte Schaltungen
Forschungsschwerpunkte : u.a.: Kamerasysteme und Digitales Kino



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